Energiewende fängt vor der Haustür an
Darin waren sich die Referenten und Diskussionsteilnehmer einig: Wer die Energiewende will, der muss etwas vor Ort bewegen. Wer welche Möglichkeiten dazu hat, wie das funktionieren kann, welche Perspektiven sich für Energieerzeuger, Versorger und Verbraucher öffnen und welche Bedenken berücksichtigt werden müssen, das hat die 6. Bioenergiefachtagung aufgezeigt, die gestern namhafte Experten aus der Forschung und Praxis in der Fachhochschule Steinfurt zusammengebracht hat. Eingeladen hatten Prof. Dr. Christof Wetter vom Fachbereich Energie-Gebäude-Umwelt zusammen mit der EnergieAgentur.NRW mit den Clustern EnergieRegion.NRW und CEF.NRW sowie der Kreis Steinfurt. Im Mittelpunkt stand die „Energetische Biomassenutzung“, die als ein wichtiger Baustein für den Ausbau einer zukunftsfähigen Strom-, Wärme- und Kraftstoffversorgung gilt. Biomasse ist einerseits vielseitig, steht andererseits aber auch nur begrenzt zur Verfügung.
Viele Anwendungen verschiedener Technologien haben heute bereits einen hohen Stand von Wissenschaft und Technik erreicht, benötigen jedoch noch gezielte Unterstützung dafür, markttauglich zu werden. Hier, so der Appell der Referenten, seien alle gefordert, sich zu beteiligen.
Carsten Schröder hieß die Gäste an der Stegerwaldstraße am Morgen willkommen. Mut sei gefragt, so der Vizepräsident für Transfer und Partnerschaften der FH, neue Technologien auszuprobieren und den Know- how-Transfer zu forcieren und verwertbare Lösungen für den Alltag zu finden.
Dr. Frank-Michael Baumann, Geschäftsführer der EnergieAgentur.NRW aus Düsseldorf, bezeichnete die ökologische Erneuerung und den Klimaschutz als eine der größten Herausforderungen im Land.
Dass die Region bereits auf einem guten Weg ist, die Energiewende einzuleiten, machten Regierungsvizepräsidentin Dorothee Feller und im Anschluss Ulrich Ahlke, Leiter des Agenda 21-Büros beim Kreis Steinfurt, deutlich. „Energiewende ist alles, nur nicht konfliktfrei“, zeigte Ahlke das Bestreben des Kreises auf, durch ein regionales Energiemanagementsystem bis zum Jahr 2050 energieautark zu werden. Ahlke plädierte an die Verantwortlichen, sich den Themen sachlich zu nähern. Nur wenn alle an einem Strang ziehen, sei es möglich, Energie aus der Region und für die Region zu gewinnen. Dieser Zukunftsmarkt schaffe in einem hohen Maß Wertschöpfung und zukunftstaugliche Arbeitsplätze.
Im Verlauf des Tages schlossen sich weitere Fachvorträge an. Thematisiert wurden unter anderem Handlungsfelder und strategische Überlegungen, wie Biomasse genutzt werden kann, wie der Stand der Technik bei der Gewinnung von Rapsölkraftstoff ist, wie Biogas zur Einspeisung in das Erdgasnetz konditioniert werden kann und wo die energetischen Potenziale in den Veredlungsregionen liegen. Am Nachmittag wurde außerdem eine Exkursion in die „NRW-Klimakommune“ Saerbeck unternommen, um sich dort die gläserne Heizzentrale, den Bioenergiepark und den Bioenergiepfad anzuschauen – alles Projekt, die belegen, wie erfolgreich sich die Energiewende bereits vor Ort vollzieht.