Volkstrauertag: sich erschüttern lassen und handeln

Gemeindeleiterin von St. Georg ruft zur aktiven Friedensarbeit auf

Mit persönlichen Erinnerungen an ihre Oma und einem erneut sehr aktuellen Appell hat Anja Daut, Gemeindeleiterin von St. Georg, den Bogen gespannt vom ursprünglichen Anlass des Volkstrauertags zu der Bedeutung, die er heute haben kann – und ihrer Meinung nach auch sollte.

Ihre Ansprache in der Gedenkfeier am Sonntag im Anschluss an den 10-Uhr-Gottesdienst fußte auf Kindheitserlebnissen und der Entwicklung der eigenen Erkenntnis und Sensibilisierung. Sie reichten von dem frühen Gefühl, dass der Volkstrauertag für die Oma wichtig war, bis zu dem Wunsch jetzt, „der Volkstrauertag möge uns ermutigen in unserem Tun für ein friedliches, gerechtes und menschliches Miteinander aller“.

„Die Art der Trauer ändert sich“

In der Generation der Großeltern war es noch die Trauer über Verluste lieber Menschen in zwei Weltkriegen, machte die Pastoralreferentin Anja Dauer am Beispiel ihrer Oma fest. Und die stetige Mahnung: „Wir müssen aufpassen, dass so etwas nie wieder passiert.“ Aus dieser Generation, die Leid, Elend und Schrecken der Kriege selbst erlebt hat, leben nur noch wenige. „Dadurch ändert sich die Art der Trauer an diesem Gedenktag, selbst erlebter Schmerz aus der Zeit der beiden Weltkriege, die persönliche Betroffenheit verschwinden immer mehr“, stellte Anja Daut in der Pfarrkirche St. Georg fest.

Die Betroffenheit über 55 Millionen Tote allein im Zweiten Weltkrieg „wird bleiben und muss bleiben“, sagte sie. 76 Jahre nach Kriegsende rufe das Gedenken am Volkstrauertag aber auch dazu auf, sich „erschüttern lassen zu können, wie unmenschlich Menschen sein können und was sie anderen Menschen antun“. Anja Daut machte deutlich, dass Unmenschlichkeit und Gewalt, häufig für den Erhalt eigener Macht, „nicht nur in der Ferne“ liegen.

Frieden ist zerbrechlich

Kriege und Auseinandersetzungen kämen näher, geschätzt 60 Millionen Menschen weltweit seien auf der Flucht. Viele würden Schutz in Europa suchen. Die Situation an der belarussischen Grenze erinnere an Krieg. In Deutschland gebe es „vermehrt Stimmen, die Angst und Vorurteile schüren und hetzen“, beschrieb Anja Daut das Hier und Jetzt. „Wir erleben gerade, und Jüngere zum ersten Mal, wie zerbrechlich das friedliche Miteinander ist, dass Frieden nicht selbstverständlich ist, im Großen wie im Kleinen“, ordnete sie ein, was man täglich in den Nachrichten sehen kann.

Anja Daut, Gemeindeleiterin von St. Georg, verband in ihrer Ansprache zum Volkstrauertag in der Pfarrkirche persönliche Erinnerungen mit der aktuellen Bedeutung des Volkstrauertag-Gedenkens. Anja Dauts Schlussfolgerungen sind konkret. Es könne „niemand mehr sagen: Was hat das mit mir zu tun?“ Gedenkfeiern wie der Volkstrauertag würden wichtig bleiben, aber nicht ausreichen. „Um Frieden und Stabilität zu haben, braucht es persönliches Handeln“, rief die Gedenkrednerin auf. Auch für die Bewahrung der Schöpfung, weil es einen Zusammenhang zwischen Klimawandel, Armut und Konflikten gebe. Aus dem ursprünglichen Trauergedenken für Weltkriegstote entwickelte Anja Daut in ihrer Ansprache am Sonntag für den Volkstrauertag die dringende Aufforderung an Jeden und Jede, mitzuarbeiten an einer friedlichen Welt im umfassenden Sinn. Die Aufforderung, zusammen mit dem historischen Erinnern an die Folgen von Kriegen und Gewaltherrschaft weiter „aufpassen, dass so etwas nie wieder passiert“, wie ihre Oma immer sagte.

Das Kolping-Blasorchester gestaltete de Gottesdienst und die Gedenkfeier musikalisch mit Bürgermeister Dr. Tobias Lehberg erklärte in seiner Begrüßung, „die Abordnungen der Vereine und die Teilnahme an der Gedenkfeier zeigen den Rückhalt für den Sinn des Volkstrauertags“. Im Anschluss legten Vertreter der Leitung der Freiwilligen Feuerwehr und der Bürgermeister im stillen Gedenken einen Kranz am Mahnmal am Friedhof nieder.