Auf Kundenfang mit alter Masche

Wie eine dubiose Firma derzeit in Saerbeck an Anzeigenaufträge kommen will

Renate Fischer ist sauer. Auch wenn sie in der vergangenen Woche eigentlich schon fest damit gerechnet hatte, dass jetzt wieder dubiose Firmen auf Kundenfang gehen in Saerbeck. Da war nämlich eine Vertreterin in ihrem Büro, um eine Anzeige für die Informationsbroschüre der Gemeinde zu verkaufen. Ein seriöses Geschäft. Die Verwaltung hatte bereits im Vorfeld darauf hingewiesen, dass eine Neuauflage der Broschüre geplant ist und hierfür nun eine Mitarbeiterin der BVB-Verlagsgesellschaft Anzeigen akquirieren will. Die Gesellschaft mit Sitz in Nordhorn ist Herausgeberin der Broschüre. Fischer war überzeugt, dass nun auch unseriöse Firmen die geplante Neuauflage zum Anlass nehmen, durch Vorspiegelung falscher Tatsachen zu Anzeigenaufträgen zu kommen. Und sie sollte Recht behalten: Vor ein paar Tagen flattert ein Fax auf dem Schreibtisch der Saerbecker Steuerberaterin mit einem Angebot für einen Anzeigenauftrag. Absender ist ein Druckstudio Streit. Im Kleingedruckten ist von Flyern die Rede, die im Gebiet verteilt würden. Der Flyer soll Notrufnummern und nützliche Telefonnummern enthalten und an zehn Stellen im Ort ausgelegt werden. 250 Stück will das Druckstudio, das seinen Sitz in Luxemburg hat, davon herstellen.
Außerdem ist auf dem Fax die Anzeige abgedruckt, die Renate Fischer in der aktuellen Auflage der Gemeinde-Broschüre veröffentlichen ließ. Was die Steuerberaterin stutzen ließ. Denn mit der Vertreterin der BVB-Gesellschaft hatte sie eine Überarbeitung des Layouts der Annonce vereinbart. Erst da erkennt sie, dass sie es hier mit einer anderen Firma zu tun hat. Wie aus dem Fax weiter hervorgeht, will das Druckstudio für die Anzeige 321 Euro kassieren. Hinzu kämen noch einige Pauschalen, die sich auf
277 Euro summieren. Mit „Wenn ok, bitte zurücksenden. Vielen Dank“, in Handschrift geschrieben, wird Renate Fischer aufgefordert, den Auftrag zu bestätigen und zurückzuschicken. Was sie natürlich nicht tut.
Stattdessen ruft die Steuerberaterin bei unserer Zeitung an, um andere Freiberufler und Gewerbetreibende, die möglicherweise ebenfalls ein solches Fax erhielten, zu warnen. „Ich weiß aus Erfahrung, dass es immer wieder Menschen gibt, die auf einen solchen Betrügerverein reinfallen. Und dass es für sie fast unmöglich ist, da wieder rauszukommen“, sagt die Steuerberaterin. Bei der Gemeindeverwaltung weiß man um Betrugsmaschen wie diese. Schon vor langer Zeit wurde ein Ordner mit der Bezeichnung „Anzeigen der
fragwürdigen Publikationen“ angelegt. Er ist inzwischen gut gefüllt. Immer dann, wenn die BVB-Verlagsgesellschaft die Broschüre neu auflegt, so berichtet Verwaltungsmitarbeiterin Sarah Lohaus, „tauchen die schwarzen Schafe auf“. Die Methode, von Geschäftsleuten, Freiberuflern und Institutionen einen Anzeigenauftrag zu ergaunern, wird als „Kölner Masche“ bezeichnet, weil sie erstmals von Kölner Betrügern angewendet wurde. Auch die Polizei warnt vor Betrügereien dieser Art. „Wer unaufgefordert ein Fax erhält, sollte dieses nicht unterschreiben und zurückschicken“, erklärt Martin Weide-Drees von der Pressestelle der Kreispolizeibehörde. Die rund 30-seitige Broschüre der Gemeinde in Din-A4-Format enthält neben einem Grußwort des Bürgermeisters unter anderem nützliche Kontaktdaten von Behörden, Einrichtungen und Vereinen. Sie liegt im Rathaus aus und ist vor allem für Neubürger interessant.

Quelle: Westfälische Nachrichten/Katja Niemeyer