Ein Herz für den Windriesen

Quelle: Westfälische Nachrichten
Autor: Monika Gerharz
Veröffentlicht am: 15.08.2013

Elegante Riesen: Kran und Turm scheinen miteinander zu tanzen, während die Gondel hochgezogen wird, Foto: Wilfried Gerharz

Klar, Wind ist toll im Bioenergiepark – dann drehen sich die Räder, Geld klimpert in den Kassen von Gemeinde, Kreis und Investoren. Am Donnerstag allerdings hat der Wind gestört – das laue Lüftchen, das am Boden zu spüren war, hat in 150 Meter Höhe für so viel Zug gesorgt, dass die Montage der Gondel zweimal abgebrochen werden musste. Erst am Abend, als nur wenige Federwölkchen langsam über den Himmel zogen, hat es geklappt: Die Gondel des Windrads, gut 63 Tonnen schwer, schwebte Zentimeter für Zentimeter am mächtigen Betonturm vorbei zu ihrem endgültigen Sitz in schwindelnder Höhe.

Es war ein Schauspiel seltener Art, das sich den etwa 30 Zuschauern bot. Die Gondel, einer Raumkapsel nicht unähnlich, wartete, aufgestützt auf einen Metallring, auf ihre Montage auf der Spitze des Turms.

19.20 Uhr. Es geht los. Vier Mann in roter Monteursmontur klettern in einen Drahtkorb, ein kurzes Winken, nach drei Minuten setzt sie der Kran oben auf dem Turm ab. „Die werden jetzt eine Runde Karten spielen“, vermutet Heinz Klostermann. Aber ob es dabei gemütlich zugeht? „Der Turm schwankt dort oben bis zu 1,50 Meter in alle Richtungen“, informiert Bürgermeister Wilfried Roos, der die Aktion persönlich im Bild festhält. Fast eine Stunde müssen die Enercon-Leute warten – so lange dauert es, bis der Kran, Zentimeter für Zentimeter, die Gondel von ihrem „Parkplatz“ am Tor des Bioenergieparks an ihren korrekten Platz unter dem Turm bewegt hat.

20.35 Uhr: Die Gondel schwebt. Langsam, leise schaukelnd, hebt das Maschinenhaus, vollgestopft mit Technik, ab. Mehrere Mitarbeiter am Boden halten die Kapsel an Seilen fest und tarieren ihre Lage aus. „Jetzt sind es 45 Meter“, sagen die Kenner unter den Zuschauern, als die Gondel den roten Ring des Turms passiert. Die blauen Schatten der Dämmerung legen sich bereits über die Zuschauer.

21 Uhr. Die Gondel ist zehn Meter unter der Spitze. „Wenn nur mal der Kran groß genug ist“, sorgt sich ein Zuschauer. Doch da ist noch Spielraum. „Das passt“, wissen die Kenner. Jetzt schwebt die Gondel auf den Turm zu. Millimeter für Millimeter schiebt sie der Kranführer in die richtige Position. Die Schrauben müssen exakt in die vorgesehenen Löcher passen „Die Monteure oben geben ihm Anweisungen“, weiß Klostermann, dass menschliches Augenmaß in solchen Momenten von keinem Computer ersetzt werden kann.

21.20 Uhr. Die Gondel senkt sich in den Turm. Aufatmen bei den Zuschauern. Alfons Beermann ist fast gerührt. „Und so was in Saerbeck!“ Der glühende Anhänger akternativer Energien kommt fast jeden Tag vorbei und schaut, was im Bioenergiepark passiert. Und auch viele andere lockt die spektakuläre Baustelle. Dort wird es möglicherweise heute besonders interessant: Die Rotorblätter sind da. Wann sie montiert werden? Das weiß im Augenblick nur der Windgott sicher.

 

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