Eine Sinfonie im Schweinestall

Quelle: Westfälische Nachrichten
Autor: Hans Lüttmann
Veröffentlicht am: 04.12.2014

Saerbeck - Wenn das funktioniert, sind viele erleichtert, denn der Überschuss an Gülle wird zum immer drängenderen Problem. Im Planungsausschuss wurde nun das Konzept einer Gülleverwertungsanlage vorgestellt, die im Bioenergiepark gebaut werden soll. Und die Planer sind zuversichtlich, damit einige Probleme lösen zu können.
Gülleverwertungsanlage

Über diese Nachricht sind nicht nur die Bauern heilfroh: Auch Naturschützer und überhaupt jeder, der mit Wasser kocht, wird sich über diese drei Buchstaben freuen: GVA. Dahinter steckt ein Projekt, an dem sich schon viele versucht haben, letzten Endes aber doch gescheiter sind. Hans-Georg Guhle von der Naturstoff- und Dienstleistungszentrale Land+Forst in Saerbeck (NLF) und Diplomingenieur Hermann Reeker von der Reeker Wassertechnik sind sicher, dass sie es hinkriegen, Gülle zu trennen und zu verwerten in einer Gülleverwertungsanlage (GVA) im Bioenergiepark.

Wie sie das (mit wissenschaftlicher Begleitung durch die Fachhochschulen in Steinfurt und Osnabrück) bewerkstelligen wollen, stellten sie jetzt dem Planungsausschuss vor. Das Problem ist sattsam bekannt: Viele Bauern wissen nicht wohin mit der Gülle. Ein Problem, das nächstes Jahr noch größer wird, wenn die neue Düngeverordnung verabschiedet wird, die noch strengere Grenzwerte vorschreiben wird. „Die landwirtschaftlichen Betriebe stoßen an gesetzliche und wirtschaftliche Grenzen“, sagte Hans-Georg Guhle und verwies auch auf steigende Nitratwerte im Grundwasser.

Ziel des GVA-Projekts müsse es sein, die Überkapazitäten von Nährstoffen aus Gülle und Gärresten aus Biogasanlagen abzubauen, ohne die Produktion auf den Höfen herunterzufahren. „Nährstoffe sollen langfristig planbar und wirtschaftlich vertretbar aus dem landwirtschaftlichen System ausgeschleust werden“, sagte Guhle und überließ es dann Prof. Dr.-Ing. Christof Wetter von der FH in Steinfurt, zu erklären, wie das vonstatten gehen soll.

Separation, also Trennung von festen und flüssigen Stoffen in der Gülle heißt dabei das Schlüsselwort, das auf ein technisch recht kniffliges Problem verweist: die Trennung der Schweinegülle. „Wir haben jahrelang herumprobiert“, sagte Prof. Wetter, „wir haben die Gülle verdünnt, geliert und warm gemacht und haben mit einer speziellen Zentrifuge, die von außen noch Unterdruck bekommt, ein Verfahren gefunden, das es möglich macht, die geringe Fracht von drei bis fünf Prozent fester Stoffe in der Schweinegülle auszutrennen.“

Das kann in eigenen Anlagen auf dem Hof und mit einer mobilen Anlage geschehen. Was nach der Aufbereitung übrig bleibt, wird ausgeschleust, also dahin gebracht, wo es gebraucht wird, etwa in die Soester Börde.

„Eine Anlage, wie wir sie planen“, sagte Hans-Georg Guhle, „gibt es in dieser Kombination nicht. Die Einzelkomponenten schon, aber keinem ist es bislang gelungen, daraus eine Sinfonie zu machen.“

Gespielt wird sie, wenn alles klappt, schon im November 2016; denn so sieht der Fahrplan aus: In diesem Winter soll eine Projektgesellschaft gegründet werden, die sich um die Finanzierung kümmert. Im Herbst 2015 soll auf einem 16 000 Quadratmeter großen Gelände östlich der Biogasanlage im Bioenergiepark mit dem Bau der Anlage begonnen werden. Im November soll sie dann in Betrieb genommen werden und im März 2017 unter Volllast fahren.

Ist das geschafft, dann können sich auch Bauern, Biogasanlagen und nachgelagerte Unternehmen der Landwirtschaft als Gesellschafter an der GVA beteiligen.

 

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