Gemeinsam vorbereiten für Not- und Krisensituationen

Veröffentlicht am: 20.04.2026

Saerbeck ist Teil eines europäischen Projekts zum Bevölkerungsschutz

Die Teilnehmer des EU-geförderten Seminars "Solidarität und Sensibilisierung für Notfälle" vor dem Denkmal „Karl-Oskar und Kristina“ im Hafenpark Karlshamn, das an die Auswanderungswelle in die USA Mitte des 19. Jahrhunderts erinnert. Wie können sich Kommunen in Europa auf mögliche Not- und Krisensituationen vorbereiten und wie können sie dabei voneinander lernen? Auf Einladung der litauischen Partnergemeinde Rietavas beschäftigten sich jetzt Vertreter aus Saerbeck und aus Kommunen in Lettland, Schweden und Polen mit dieser Frage.

In einem auf anderthalb Jahre angelegten Kooperationsprojekt wollen die fünf Kommunen Erfahrungen austauschen, wie die Bevölkerung in einem möglichen Verteidigungs- oder Katastrophenfall am besten geschützt werden kann. Gefördert wird das Projekt mit dem Titel „SAFE – Solidarity and Awareness for Emergencies“ (Solidarität und Sensibilisierung für Notfälle) von der Europäischen Union. 

An dem ersten Seminar hat die Gemeinde Saerbeck mit einer fünfköpfigen Delegation teilgenommen. Neben Bürgermeister Dr. Tobias Lehberg und der Leiterin des Amts für Ordnung und Soziales, Ines Heilemann, waren Rotkreuzleiter Marco Fischer, der stellvertretende Leiter der Freiwilligen Feuerwehr, Robert Laumann, und Thomas Simek als Vertreter des Partnerschaftsvereins Rietavas-Saerbeck der Einladung ins schwedische Karlshamn gefolgt.

Schwedischer Katastrophenschützer: "Wir leben in der Shit-Zone"

Die 32.000 Einwohner zählende Stadt im Süden Schwedens nimmt eine Vorreiterrolle beim Zivil- und Katastrophenschutz ein, da sie aufgrund ihrer Nähe zur russischen Enklave Kaliningrad, einer großen Öl-Raffinerie und einem bedeutenden Hafen ein strategisch relevantes, militärisches Ziel darstellt. „Wir leben in der ‚shit zone‘, daher sind wir besonders gut vorbereitet“, brachte es der Leiter des örtlichen Katastrophenschutzstabs mit drastischen Worten auf den Punkt.

Waren aus Saerbeck dabei beim EU-geförderten Seminar zu "Solidarität und Sensibilisierung für Notfälle" (von links): Ines Heilemann (Leiterin des Amts für Ordnung und Soziales), Bürgermeister Dr. Tobias Lehberg, Thomas Simek (Partnerschaftsverein Saerbeck-Rietavas), Robert Laumann (stellvertretender Leiter der Freiwilligen Feuerwehr) und Marco Fischer (Rotkreuzleiter beim DRK). Einen Eindruck davon vermittelte der Ort, an dem ein Teil des Seminars stattfand: ein funktionstüchtiger Bunker aus dem 1980er Jahren. In Vorträgen und Workshops erfuhren die Teilnehmer außerdem, welche Rolle ehrenamtliche Arbeit bei der Unterbringung von Geflüchteten in der gastgebenden Kommune spielt und wie die schwedische Kleinstadt versucht, bei den Planungen für den Katastrophenschutz den besonderen Bedürfnissen von Kindern gerecht zu werden.

Einig waren sich die Teilnehmenden aus den fünf europäischen Kommunen darin, dass Zivil- und Katastrophenschutz nicht als reine Verwaltungsaufgabe verstanden werden dürfe. Wichtig sei es, bei der Bevölkerung das Bewusstsein zu schaffen, dass sich jeder einzelne Bürger auch selbst auf einen Krisen- oder Kriegsfall vorbereiten müsse. Zu diesem Thema verglichen die Teilnehmenden die in ihren Ländern herausgegebenen Broschüren der staatlichen Katastrophenschutz-Behörden.

Lehberg: "Gemeinsam auf die neue Sicherheitslage reagieren"

„Das Seminar zeigt, dass wir als Europäer gemeinsam auf die neue Sicherheitslage reagieren müssen. Die Kommunen spielen dabei eine herausragende Rolle, weil sie den direkten Kontakt zur Bevölkerung haben“, resümierte Bürgermeister Dr. Lehberg.

Eines der weiteren Seminare des Projekts wird Anfang 2027 in Saerbeck stattfinden. Dann werden sich die Vertreter der fünf europäischen Kommunen mit der Frage beschäftigen, wie Kommunen sich in Krisen-, Kriegs- und Katastrophenfällen gegen Angriffe auf die IT-Infrastruktur wappnen können.