Alle Optionen sind offen

Veröffentlicht am: 10.03.2010
Quelle: Westfälische Nachrichten
Autor: Achim Giersberg
Alle Optionen offen

Jetzt ist es offiziell: Die kreiseigene Abfall-Entsorgungsgesellschaft, kurz Egst. kauft für 400 000 Euro ein acht Hektar großes Grundstück im künftigen Bioenergiepark Saerbeck. Einen entsprechenden Beschluss des Egst-Aufsichtsrates vom Montagabend bestätigte gestern Egst-Geschäftsführer Franz Niederau. Auf dem Gelände soll eine Kompostierungsanlage entstehen. Niederau kann sich auch eine noch weitergehende Kooperation mit Saerbeck vorstellen - etwa den Betrieb einer der Kompostierung nachgeschaltetten Biogasanlage. „Damit haben wir ja schon auf der Deponie Altenberge Erfahrungen gemacht.“ Im Endeffekt könnte auch die gesamte Egst-Verwaltung, die ihren bisherigen Sitz in Altenberge aufgeben muss, auf dem Munitionsdepotgelände eine neue Heimat finden. Saerbecks Bürgermeister Wilfried Roos: „Das Stabsgebäude wäre ideal. Aber das muss die Egst selbst entscheiden. Wir halten die Räume noch eine Zeit frei, werden sie aber sonst an andere Interessenten vergeben.“

Dem widerspricht Niederau. „Ich will da nicht hin, jedenfalls nicht im Moment.“ Die Ausschreibung der Kompostierung solle offen sein. „Mit dem Verwaltungsumzug nach Saerbeck würden wir ein Zeichen setzen, dass wir uns schon für die Kompostierung in Saerbeck entschieden haben. Das ist aber nicht so“, betont Niederau und beteuert: „Ich bin da ganz neutral.“Und: „Alle Optionen sind offen“

Der Grundstückskauf erfolge nur deshalb schon jetzt, um den Wettbewerb offen zu halten. Dem Gewinner einer Ausschreibung wäre es ansonsten nicht möglich, innerhalb kurzer Zeit ein Grundstück im Kreis zu erwerben, auf dem planungsrechtlich überhaupt eine Kompostierung möglich sei. Nur das bereits existierende Kompostwerk in Altenberge könnte eine Alternative sein. Käme die Firma Remondis bei der Ausschreibung zum Zuge und wollte dieses Werk weiter nutzen (und ausbauen), dann könne man das Grundstück, so die Vereinbarung mit Saerbeck, wieder zurückgeben. Ohne die Saerbecker Fläche gäbe es aber keine Alternative zu Altenberge und damit Remondis. Allerdings hat auch Saerbeck eine Klausel im Vertrag. Roos: „Sobald die Egst signalisiert, dass sie die Planungen für den Standort aufgibt, können wir uns mit einem Partner an der Ausschreibung mit dem Grundstück beteiligen, das wir schon verkauft haben.“ Dass die Egst die Kompostierung ohne Ausschreibung selber übernimmt, was theoretisch möglich wäre, schließt Niederau aus: „Das wird nicht passieren“. Die Egst könne eine Anlage dieser Größenordnung (im zweistelligen Millionenbereich) nicht selber bauen, müsse also ausschreiben und die Herstellerfirma zumindest in den ersten Jahren in den Betrieb integrieren. In der Umweltausschusssitzung am 9. Juni will Niederau die Egst-Pläne erstmals en Detail der Kreispolitik vorstellen. Es geht um 45 000 Tonnen Bioabfall, die jährlich im Kreis eingesammelt werden. Derzeit werden davon 18 000 Tonnen in Altenberge, der Rest in  Coesfeld kompostiert, und zwar von der Firma Remondis. Deren Vertrag läuft 2013 aus.

VON ACHIM GIERSBERG, STEINFURT

09 · 03 · 10