Der Windriesen-Kümmerer
Er hat die Gewalt über die sieben Windriesen. So könnte man Dieter Ruhes Aufgaben beschreiben. Bekommen hat er sie von den Investoren, denen die Windkraftanlagen im Saerbecker Bioenergiepark gehören. Denn in ihrem Auftrag ist Dieter Ruhe unterwegs. Er ist Geschäftsführer der Windpool Saerbeck GmbH & Co. KG und zugleich Initiator und Geschäftsführer einer Beteiligungsgesellschaft, in der 18 Kunden der Kreissparkasse Steinfurt gemeinsam ein Windrad betreiben.
Der Elektroingenieur aus Hörstel-Riesenbeck hat sich bei einem mittelständischen Unternehmen in der Region 20 Jahre lang mit der Betriebsführung von technischen Großanlagen beschäftigt. Dabei war es ihm wichtig, vorhandene Energie effizienter zu nutzen. Zuerst in der Freizeit, mittlerweile hauptberuflich kümmert er sich darum, als Koordinator Wind- und Sonnenkraftwerke auf den Weg zu bringen. Für mehrere Projekte im Bereich Photovoltaik hat er bereits Beteiligungsgesellschaften organisiert.
„Die Energiewende ist seit 2004 mein Steckenpferd“, erzählt der Vater von drei Teenagern. Ihm kommt es darauf an, auch Klein-Investoren für das Erzeugen von erneuerbarer Energie zu begeistern. „Ich bin überzeugt davon, dass sich jeder nach seinem Geldbeutel am Erzeugen erneuerbarer Energien beteiligen können muss.“ Kein Wunder, dass ihm die „Saerbecker Philosophie“ gut schmeckt. „Hier investieren die Bürgerinnen und Bürger so, dass ihr Geld in der Region bleibt und mit ihrem Geld die Energie in ihrer Heimat erzeugt wird. Gleichzeitig machen wir uns unabhängiger von Gas- und Ölimporten aus dem Ausland.“
Die Diskussion um die zu hohe finanzielle Förderung von erneuerbaren Energien kann er deshalb so nicht nachvollziehen. „Man darf bei den Kosten der Energiewende nicht nur eine Momentaufnahme für sich selbst machen, sondern muss auch die wirtschaftlichen und ökologischen Auswirkungen für die nächsten Generationen bedenken. Die Erfolge von gestern sind unsere Probleme von heute. Das darf sich für unsere Kinder so nicht wiederholen“, ist sich der gebürtige Warendorfer bewusst.
In Saerbeck ist Ruhe der „Kümmerer“ für alle sieben Windkraftanlagen. „Ich bin dafür technisch und kaufmännisch verantwortlich“, sagt er. Natürlich zieht er nicht jede Schraube selbst nach. „Sollten mal Störungen auftreten, bekomme ich zu jeder Tages- und Nachtzeit automatisch eine Meldung auf mein Handy“, weist er darauf hin, dass er die Fäden in der Hand hat.
Vor allem aber wird er den Strom verkaufen. Die Windriesen erzeugen Strom für mehr als 10 000 Haushalte. Das reicht für Saerbeck und Umgebung.
Bei diesen Strommengen muss Ruhe Verträge mit dem Netzbetreiber und einem Direktmarkter, der den Strom an der Strombörse verkauft, abschließen. Damit die Sache rund wird, arbeitet er auch eng mit den Firmen, die im Bioenergiepark Stromspeicher erproben wollen, zusammen. „Die Speicher werden für das Gelingen der Energiewende ein wichtiger Baustein sein“, ist er sich sicher.
Obendrein wird der „Kümmerer“ engen Kontakt mit den weiteren Akteuren im Bioenergiepark pflegen: mit der Bürgergenossenschaft „Energie für Saerbeck“ als Betreiberin der Photovoltaikanlage, mit den Landwirten, denen die Biogasanlage gehört und mit der EGSt, die das Kompostierwerk fährt. Wenn alle Aktiven ihre Stromangebote geschickt aufeinander abstimmen und gemeinsam vermarkten, kann jeder seine Produktion und seine Erträge noch optimieren.
Der Windpool-Geschäftsführer deutet an, dass man in dieser Hinsicht noch manchen Pfeil im Köcher habe – Stichwort überregionales virtuelles Kraftwerk, das die verschiedenen Stromerzeuger intelligent verknüpft und auf diese Weise hohe Versorgungssicherheit garantiert. Es macht ihm sichtlich Spaß, in diesem Bereich nach neuen Wegen zu suchen. „Es ist eine echte Aufgabe. Da kommt es auf eine Stunde Arbeitszeit nicht an. Als Vater und Techniker würde ich mich freuen, wenn wir in 20 Jahren sagen können: Auch durch unser Engagement haben wir die Kurve gerade noch gekriegt und hinterlassen unseren Kindern eine einigermaßen intakte Welt.“