Straßen-NRW tauscht 30 000 Tonnen aus den Bunkern im Bioenergiepark aus - Kann Salz denn schlecht werden?

Veröffentlicht am: 28.08.2014
Quelle: Westfälische Nachrichten
Autor: Hans Lüttmann
Saerbeck - Eigentlich ein klassisches Winterthema, aber dann wäre es für diese Aktion auch schon wieder zu spät: Straßen-NRW hat rund 30 000 Tonnen Streusalz aus den Bunkern des Bioenergieparks ausgetauscht und auf die Straßenmeistereien im Lande verteilt. Nun kann Salz ja nicht schlecht werden, aber für die groß angelegte Aktion gibt es einen einleuchtenden Anlass.
Straßen NRW Salzaustausch

Das Salz für Suppen, Frühstücksei und strenge Winter entstand vor 250 Millionen Jahren, als das Urmeer verdunstete. Und da soll es jetzt nach nicht mal drei Jahren in den Saerbecker Bunkern schlecht geworden sein? Nein, kann es nicht, denn es gibt eine andere Erklärung dafür, dass der Landesbetrieb Straßen-NRW die 30 000 Tonnen Streusalz aus dem Bundesnotlager im Bioenergiepark komplett ausgetauscht hat.

Das Streusalz aus Marokko, das im Dezember 2011 zum Ladbergener Kanalhafen verschifft und dann mit Radladern in 50 der 74 Bunker im Bioenergiepark eingelagert worden war, kann nicht nur Eis auftauen, es zieht auch Wasser an; zum Beispiel aus der Luft. Das Salz pappt zusammen und verklumpt, und keinem Autofahrer wäre ja geholfen, wenn im Winter auch noch Salzbrocken auf den vereisten Straßen lägen.

„Wir schütten natürlich auch Gegenmittel auf das Salz“, erklärt Heinrich Lütke-Wenning vom Landesamt, „aber nach ein paar Jahren hilft das Anti-Backpulver dann auch nicht mehr.“ Damit das Salz streu- und rieselfähig bleibt, müsste man es umschichten, durchsieben, die Brocken mit dem Hammer behauen – oder ausbunkern und frisches Salz einlagern. Genau das hat das Landsamt jetzt gemacht (und man wundert sich, dass keiner mitgekriegt hat, dass dafür 1150 Lastwagen viermal hin- und hergefahren sind).

Was sie mit dem alten Salz gemacht haben? Sie haben es in die 90 Straßenmeistereien in NRW umgelagert. So wurde es geschaufelt, durchgerüttelt und wieder abgekippt und wird, wenn der Winter danach fragt, auf die schnee- und eisglatten Straßen gestreut.

Und was den Bund, das Land, vor allem aber Saerbeck freut: Das Landesamt hat den Mietvertrag für die 50 Salzbunker bis ins Jahr 2018 verlängert. „Saerbeck“, sagt Heinrich Lütke-Wenning, „ist ideal für diesen Zweck.“ Das neue Salz kommt übrigens nicht aus Marokko, sondern aus dem Salzbergwerk Borth in Wesel.

Auch der Kreis Steinfurt hat Ende 2010 zwei Bunker im Bioenergiepark gemietet und dort etwa 1000 Tonnen Streusalz reingeschaufelt, ebenfalls als Notreserve, wie Straßenbauamtsleiter Stephan Selker am Telefon erzählt. Da liegt dasselbe Salz noch immer. „Wir haben es nur umsetzen müssen“, erklärt Stephan Selker, „denn es hatte eine etwa einen Zentimeter dicke Schutzschicht gebildet.“ Und weil das Jahr (wenn man einem alten Sprichwort glauben soll) oft länger ist als die Wurst, erklärt sich auch, wie wichtig so eine strategische Reserve ist: „In den langen und harten Wintern, als das Salz knapp wurde, hat sich der Preis von 50 auf beinahe 250 Euro pro Tonne verteuert; da ist es gut, wenn man noch was im Bunker hat.“